Kurzinfo über die Pfälzer Oberlandbahn

Bereits Anfang 1900 wurden viele Bahnbauprojekte in der Pfalz projektiert um die umliegenden Winzerdörfer an die größeren Städte wie Landau oder Neustadt/Haardt anzubinden, die letztlich jedoch nicht zur Ausführung kamen.

Einzig die elektrische Gebirgsbahn mit dem Verlauf von Landau über Edenkoben nach Neustadt wurde nach zähem ringen genehmigt und ab 1911 gebaut. Die erste Teilstrecke zwischen Neustadt und Edenkoben wurde im Dezember 1912 bereits eröffnet, die Gesamtstrecke feierlich im Januar 1913.

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Sammlung Kroschewski

Die Bahn wurde als elektrische Straßenbahn gebaut und betrieben. Für einige Jahre wurde sie auf den Status einer Eisenbahn angehoben, den sie aber nach erneuter Prüfung wenige Jahre später wieder verlor. Die 2-achsigen Fahrzeuge wurden von der Firma Herbrand aus Köln gefertigt. Sowohl 10 Motorwagen als auch 10 Anhängewagen gehörten zur Erstausrüstung. Diese wurden jedoch schnell durch 5 weitere Beiwagen und 2 Triebwagen ergänzt. Außerdem verfügte die Bahn über je einen offenen und gedeckten Güterwagen, einen Salzwagen und einen Montage-/Turmwagen.

Ende der 1920er Jahre wurde das Liniennetz der Oberlandbahn von Neustadt aus mit kurzen Buslinien verlängert. Dieser Verkehr wurde aber schon bald an den Kraftverkehr Bayern abgetreten.

Der Betriebsmittelpunkt lag auf halber Strecke in Edenkoben, wo noch heute die alte Fahrzeughalle steht die als Busdepot genutzt wird. Von hier fuhren die Tramzüge in die beiden Richtungen zu den Endstellen die jeweils an den Hauptbahnhöfen von Landau und Neustadt lagen. Unterwegs ermöglichten Ausweichstellen auf der ansonsten eingleisigen Strecke für Kreuzungsmöglichkeiten. Die Strecke lag übrigens mit wenigen Ausnahmen entlang der District-Straßen. Nur an kurzen Stellen fuhr sie auf eigenem Bahnkörper.

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Sammlung Kroschewski

In den Dörfen entlang der Strecke hielten die max. 3-Wagenzüge meist an den Gaststätten in Ortsmitte. Anfang der 30er Jahre wurde am Betriebshof in Edenkoben eine Zweigstrecke „nach dem Rosengarten“ an der Villa Ludwigshöhe eröffnet. Hier fanden, ebenso wie im Saalbau zu Neustadt oder der Landauer Festhalle, häufig Theateraufführungen statt, welche auch spät in der Nacht noch für volle Züge sorgten. Außerdem lockte man so die Städter mit der „Waldbahn“ hinaus in die freie Natur zur Erholung.

Doch nach dem 2. Weltkrieg ging es mit der Bahn langsam bergab. Oberbau und Fahrzeuge waren wenig gewartet und Ersatzteile oder neue Schienen waren in der Zeit der Reparationszahlungen schwer zu beschaffen. Ein Wunder immerhin, daß die Bahn nicht selbst dieses Schicksal erleiden mußte. In den frühen 1950er entgleiste die Bahn aufgrund schlechter Gleise wohl öfter, als das sie unbeschadet am Ziel ankam.

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Aufnahme Hans-Günter Trobisch

In der Folge wurde 1952 der südliche Streckenabschnitt zwischen Landau und Edenkoben auf Busbetrieb umgestellt und am 30. Januar 1955 fuhr die Schneck zum Letzten mal auf der verbliebenen Teilstrecke von Edenkoben nach Neustadt. Am nächsten Tag übernahmen moderne Büssing-Busse den kompletten Betrieb. Aus der Pfälzer Oberlandbahn wurde später der Busbetrieb „Weinstraßenverkehr Neustadt-Landau“ welcher heute noch unter dem Namen „Palatina Bus“ in der Region verkehrt.

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Aufnahme Peter Boehm – Sammlung Verkehrsbildarchiv Axel Reuther.

 

Doch kaum jemand erinnert sich heute noch an die elektrische Bahn, die damals für die Entwicklung der Region sehr wichtig gewesen war. Um so erfreulicher, daß Hans-Ulrich Kroszewski Artikel und Bilder der Oberlandbahn zusammengetragen und diese in Buchform veröffentlicht hat. Im Tagebuchstil werden hier viele Geschichten und Ereignisse von der Zeit der ersten Ideen zum Bahnbau bis zur Betriebseinstellung wiedergebeben. Zahlreiche Bilder dokumentieren zu dem Streckenverläufe, Fahrzeuge und Gegebenheiten.

Wer sich mehr für das Vorbild Interessiert, der sollte bei die-schneck.de vorbeischauen.
Auch bei Wikipedia findet sich ein Eintrag mit einer kurzen Geschichte und Hinweisen zum Streckenverlauf.

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